Museumsdepot am Sprungbach?

Überrumpeln wollte offenbar Oberbürgermeister Clausen die Bielefelder und vor allem Sennestädter Politik mit dem Plan, ein Museumsdepot für mehrere Städte am Gelände an der Sprungbachstraße errichten zu lassen.

17.400 Quadratmeter groß ist das Areal. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und seine Tochter, die Westfälisch-Lippische Vermögensverwaltungsgesellschaft, sollen das Depot bauen und betreiben. Geplant ist das Gebäude als fensterloser Klotz mit einem 50 mal 50 Meter großen Grundriss und einer Höhe von ca. 12 Metern. Damit würden Anwohner aus der direkten Nachbarschaft künftig statt auf ein bewaldetes Grundstück auf die Wand der Halle blicken. 

Schon kurz nach Bekanntwerden der Pläne regte sich in Sennestadt großer Widerstand. Bei der Vorstellung der Pläne in der Bezirksvertretung Anfang September war der Raum gefüllt mit besorgten Bürgerinnen und Bürgern, die diese wertvolle Fläche, die mittlerweile mit vielen Bäumen bewaldet ist, nicht für ein solches Projekt ohne Mehrwert für Sennestadt einsetzen wollen. „Hier hat der OB bei anderen Städten etwas versprochen, ohne auf die Interessen unseres Stadtbezirks zu achten. Für uns ist es nicht ersichtlich, warum solch ein Kunstdepot ausgerechnet an diesem Platz entstehen soll“, betont unser Bezirksvertreter Kai Detlefsen. „Erstaunlich ist auch, dass die Stadt ausschließlich eigene, unbebaute Flächen geprüft hat. Es wurde kein einzigs Mal geschaut, ob vielleicht bestehende Gebäude oder bereits versiegelte Flächen als Standort infrage kommen.“ 

Um dieses Grundstück geht es.

In der Bezirksvertretungssitzung im August haben sich FDP, CDU und Grüne deshalb gegen das Vorhaben ausgesprochen. „Es ist sehr unbefriedigend, dass uns als Bezirksvertretung hier seitens der Verwaltung von Anfang nur ein Empfehlungsrecht gegeben wird. Die endgültige Entscheidung muss der Stadtrat treffen. Wir  prüfen weitere Maßnahmen. Doch die Verwaltung geht offenbar schon jetzt fest davon aus, dass das Depot kommen wird. 

Und noch schlimmer: Wie erst nach der Sitzung in Sennestadt eingeräumt wurde, scheint die Planung den Bedarf an Lagermöglichkeiten unterschätzt zu haben. Deshalb ist bereits in Aussicht gestellt, dass das Depot um ein Hochregallager erweitert werden könnte. 

Pikant ist die Entscheidung für das Grundstück zwischen Sprungbachstraße und Paderborner Straße auch deshalb, weil die Verwaltung noch im vergangenen Jahr strikt gegen eine Bebauung argumentiert hatte. „Damals ging es um die Prüfung der Fläche für den Bau einer neuen Grundschule, die wir in Sennestadt sehr dringend brauchen“, erinnert sich Kai Detlefsen. Damals hatte die Verwaltung ausdrücklich Natur- und Klimaschutzgründe angeführt, die gegen eine Bebauung sprächen. Zudem sei das Grundstück noch nicht erschlossen und ein eventuell wegfallender Spielplatz müsse ebenso kompensiert werden. „Von all diesen Argumenten haben sich die Verantwortlichen aber offenbar verabschiedet. Vermutlich auf Druck des Oberbürgermeisters, der dieses Projekt unbedingt in die Stadt holen will. Leider geht das auf Kosten der Lebensqualität hier in Sennestadt“. Pikant auch, dass der Rat dem Verkauf an den LWL in derselben Ratssitzung zustimmen sollte, in der Rot-Rot-Grün die Baumschutzsatzung beschlossen hatte.  

Sollte das Depot wie geplant kommen, würde es die Menschen der direkten Umgebung in ihrem Alltag einschränken. „Auch ein Zusammenwachsen unserer Sennestadt über die Paderborner Straße würde so deutlich erschwert werden.“ Dabei war das das Ziel der Entwicklung der ehemaligen Friedhofsfläche unweit des Sprungbachs auf der gegenüberliegenden Seite der Bundesstraße. Außerdem werden durch das Depot nicht einmal Arbeitsplätze geschaffen oder Steuereinnahmen generiert.

ZUR SACHE
Kommentar unseres Bezirksvertreter Kai Detlefen

Es ist schon ein starkes Stück: Da ist der zuständige Dezernent Udo Witthaus schon in der Sennestädter Bezirksvertretung, um Rede und Antwort zu stehen – doch auf die wirklich wesentlichen Fragen verweigert er diese Antworten einfach. So detailliert, wie die Planungen bereits fortgeschritten sind, liegt es nahe, dass diese schon seit Jahren laufen. Ich wollte genau wissen, ob die Fläche für den Grundschulneubau ausgeschlossen wurde, weil verwaltungsintern schon klar war, dass das Depot dort gebaut werden soll. Witthaus wich jedoch aus, will die Antwort nun nachliefern. Doch den Eindruck, dass er und der Rest der Verwaltung hier mit offenen Karten spielen wollen, habe ich in dieser Sache leider schon lange nicht mehr. Viel zu lange wurden wir in Sennestadt außenvor gelassen bei diesem Vorhaben – und nun vor fast vollendete Tatsachen gestellt.
Zu Recht waren deshalb viele Menschen aus Sennestadt bei der Sitzung Anfang September mit dabei, um Details über das plötzliche Bauvorhaben am Sprungbach zu erfahren. Auch sie können die plötzliche Eile nicht nachvollziehen, denn das Thema stand bisher nicht öffentlich auf der Agenda. 
Wir erwarten, dass die Verwaltung endlich für volle Transparenz sorgt. Und dass diese Fläche nicht für einen Klotz überbaut wird, der für die Museen in OWL benötigt wird, aber unserem oft vom Rathaus benachteiligten Stadtbezirk keinerlei Vorteile bietet. Die wenigen unbebauten Flächen wollen wir bewahren und nur dann nutzen, wenn es einen großen Vorteil für uns bringt. Das ist bei diesem Projekt einfach nicht gegeben.

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