Im Rat der Stadt Bielefeld beantragen wir zur Sitzung am 16. Juli 2026:
Die Verwaltung wird beauftragt, ein Konzept zur langfristigen Sicherung und Weiterentwicklung der Bielefelder Wochenmärkte vorzulegen. Dabei ist den Stadtteilmärkten besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Ziel muss es sein, die Bielefelder Wochenmärkte als attraktive und wirtschaftlich tragfähige Angebote zu erhalten, neue Marktbeschicker zu gewinnen und bestehende Anbieter in Bielefeld zu halten. Hierzu sind unnötige bürokratische Hürden abzubauen, die Kostenbelastung der Marktbeschicker zu reduzieren und die Attraktivität der Märkte zu erhöhen.
1. Wochenmärkte als Gestaltungsfeld – regelmäßig berichten
Im HWBA ist künftig jährlich über die Entwicklung der Bielefelder Wochenmärkte zu berichten. Der Bericht soll insbesondere folgende Aspekte enthalten:
• Entwicklung der Zahl der Marktbeschicker und der verfügbaren Standplätze,
• Entwicklung der Auslastung der einzelnen Märkte,
• Zzu- und Abgänge von Marktbeschickern,
• Auswirkungen des demografischen und gesellschaftlichen Wandels,
• Entwicklung der Marktgebühren sowie der für die einzelnen Märkte entstehenden Kosten
• Rückmeldungen und Zufriedenheit der Marktbeschicker.
2. Kosten und Gebühren senken
Die Marktgebühren sind umfassend auf Transparenz, Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu überprüfen. Dabei ist zu prüfen,
• ob die Gebühren in einem angemessenen Verhältnis zu den tatsächlich entstehenden Kosten stehen,
• wie die Kosten der Verwaltung und der Märkte reduziert werden können,
• wie erzielte Effizienzgewinne an die Marktbeschicker weitergegeben werden können,
• wie sich die Gebühren im Vergleich zu den umliegenden Kommunen entwickeln und
• ob eine sachgerechte Differenzierung zwischen Innenstadt- und Stadtteilmärkten möglich ist.
Die Gebühren sollen regelmäßig mit denen vergleichbarer Kommunen überprüft werden. Ziel muss eine einfache, transparente und möglichst kostenentlastende Gebührenstruktur sein. Die Stadt darf durch ihre Gebührenpolitik nicht dazu beitragen, dass Marktbeschicker Bielefeld als Standort meiden oder bestehende Anbieter ihr Angebot reduzieren bzw. aufgeben.
3. Miteinander von Verwaltung und Marktbeschickern verbessern
Die Kommunikation zwischen Stadtverwaltung und Markthändlern soll durch ein gemeinsam zu erstellendes Konzept verbessert werden. Ein regelmäßiger und frühzeitiger Austausch zu aktuellen Entwicklungen und eine optimierte Abstimmung bei Feiertagen und Sonderveranstaltungen soll so initialisiert werden.
4. Bürokratie abbauen, digitale Verfahren schaffen
Die Verwaltung wird beauftragt, sämtliche Anforderungen und Verfahrensschritte für die Zulassung und Anmeldung von Marktbeschickern auf ihre Notwendigkeit zu überprüfen. Nicht erforderliche bürokratische Anforderungen sind abzuschaffen. Dabei sind Anforderungen zu überprüfen, die in Bielefeld über das in vergleichbaren Kommunen übliche Maß hinausgehen, beispielsweise die Vorlage einer Unbedenklichkeitsbescheinigung.
Das Anmelde- und Zulassungsverfahren soll einfach, schnell und möglichst vollständig digital abgewickelt werden können. Es wird geprüft, wie auf die Veranlagung zur Gewerbesteuer von Markthändlern, die keine Niederlassung in Bielefeld haben, verzichtet werden kann. Es ist ein vereinfachtes und flexibles Verfahren zur kurzfristigen Vergabe freier Standplätze zu prüfen. Dabei ist auch zu prüfen, ob für neue Anbieter, Existenzgründer und regionale Direktvermarkter zeitlich befristete oder vergünstigte Einstiegskonditionen angeboten werden können, um diesen einen unkomplizierten Einstieg in die Bielefelder Wochenmärkte zu ermöglichen.
5. Attraktivität und Profil der Wochenmärkte stärken
Gemeinsam den Marktbeschickern sowie Bielefeld Marketing sowie sollen Konzepte zur Stärkung und besseren Vermarktung vor allem der Stadtteilmärkte entwickelt werden. Dabei sollen insbesondere
• Themen- und Spezialmärkte inkl. gastronomischer Angebote,
• saisonale Aktionen,
• Veranstaltungen,
• gemeinsame Marketingmaßnahmen,
• eine stärkere Vernetzung von Marktbeschickern, Einzelhandel, Gastronomie und weiteren Akteuren,
• eine stärkere Profilierung der einzelnen Märkte sowie
• eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität des Platzes zu Marktzeiten geprüft werden – möglicherweise teilweise auch organisiert von dritten (privaten) Anbietern. Bei der Weiterentwicklung ist auch die Veränderung des Einkaufsverhaltens zu berücksichtigen. Die Wochenmärkte sollen dabei ein eigenständiges und attraktives Angebot bieten.
6. Mit anderen Kommunen vergleichen und erfolgreiche Konzepte übernehmen
Die Verwaltung wird beauftragt, erfolgreiche Konzepte anderer Kommunen im Hinblick auf
• Marktgebühren,
• Standplatzvergabe,
• Digitalisierung,
• Gewinnung neuer Marktbeschicker,
• Marketing und
• Veranstaltungs- und Themenformate
zu analysieren und auf ihre Übertragbarkeit auf Bielefeld zu prüfen. Dabei sind vergleichbare Städte und Gemeinden im regionalen Umfeld einzubeziehen.
7. Bericht und konkrete Handlungsempfehlungen
Die Verwaltung berichtet dem HWBA innerhalb von sechs Monaten über die Ergebnisse der Prüfungen und legt konkrete Handlungsempfehlungen vor. Dabei sind konkrete Vorschläge
• zur Senkung der Marktgebühren,
• zur Reduzierung der Verwaltungskosten,
• zum Abbau bürokratischer Hürden,
• zur besseren Koordination und Abstimmung zwischen Verwaltung und Markthändlern,
• zur flexibleren Standplatzvergabe,
• zur Gewinnung neuer Marktbeschicker,
• zur Attraktivitätssteigerung der Stadtteilmärkte sowie
• zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der einzelnen Wochenmärkte
vorzulegen.
Begründung erfolgt mündlich.